Volkswagen Nutzfahrzeuge bestellt umweltfreundliche Lackiererei bei Dürr

Bietigheim-Bissingen, 4. August 2014 – Der Anlagenbauer Dürr baut für den Kunden Volkswagen Poznan Sp.o.o. eine komplette Lackiererei für den Nachfolger des Volkswagen Crafter. Der ressourcenschonende Eco+Paintshop am Standort Wrzesnia verbraucht besonders wenig Wasser, Energie und Material. Es handelt sich um eines der größten Projekte der Dürr-Firmengeschichte.

Als Generalunternehmer liefert Dürr nicht nur die Lackierausrüstung, sondern übernimmt auch die Verantwortung für die Erstellung des Gebäudes. Bei der Anlagentechnik liefert Dürr die Tauchbäder für den Grundlack ebenso wie eine Füller-, zwei Basislack- und zwei Decklacklinien mit den zugehörigen Spritzkabinen, den Trocknern, der Fördertechnik, der Abluftreinigung und den Arbeitsplätzen. 

Bereits in der kataphoretischen Tauchlackierung legen Dürr und Volkswagen Nutzfahrzeuge Wert auf Nachhaltigkeit. Hier kommt die energiesparende und ausfallsichere KTL-Lösung EcoDC MACS zum Einsatz. Diese Technologie erzeugt mit ihrer modularen Anodensteuerung ein mit der Karosse mitlaufendes Spannungsprofil im Tauchbad. Dieses Konzept zur zielgenauen Strom- und Spannungsversorgung wirkt mit seiner innovativen Leistungselektronik signifikant positiv auf den Energiebedarf und die Beschichtungsqualität der Karosserie ein. Den Transport der Karossen durch die Tauchbäder übernimmt eine der längsten je gebauten Pendelförderanlagen.  

18 Roboter des Typs EcoRS16 sorgen für den Unterbodenschutz und die Nahtabdichtung. Die vollautomatische Innen- und Außenlackierung in der Füllerlinie sowie den jeweils zwei Basis- und Decklacklinien übernehmen 36 Roboter der Typen EcoRP E und EcoRP L, bestückt mit Hochrotationszerstäubern EcoBell3. Die Kombination von EcoBell3 mit dem Farbwechsler EcoLCC2 ermöglicht im Basislackbereich Farbwechsel im Push-Out-Verfahren in unter 10 Sekunden. Beim Push-Out-Verfahren wird das Farbventil schon vor dem Abschluss der Lackierung geschlossen. Das noch im Farbschlauch vorhandene Lackmaterial wird mit einem Spülmedium zum Zerstäuber gedrückt. Der Farbverlust beim Wechsel der Lackfarben liegt zwischen 10 und 15 ml. 

Bei der Versorgung mit Standardfarben setzt Volkswagen auf die bewährte Umlauftechnik, während Sonderfarben mit dem flexibel molchbaren Sonderfarbsystem EcoSupply P gefördert werden. Mittels Molchtechnik (Molch = Passkörper) wird die Farbe rückstandslos in den Molchschläuchen verschoben. Dies ist besonders material- und kosteneffizient.  

Die Innenlackierung des Laderaums übernehmen acht Schwingarmroboter des Typs EcoRP L053; dies erhöht die Flexibilität der Produktionslinie. Auch diese Roboter sind mit dem material- und zeitsparenden Zerstäuber EcoBell3 ausgerüstet.   

Der Overspray wird durch das energieeffiziente Lackierkabinensystem EcoDryScrubber gebunden. Diese Trockenabscheidung des Lacknebels verzichtet komplett auf Wasser und Chemikalien. Dadurch kann die Lackierkabine mit bis zu 90% Umluft gefahren werden. Dies reduziert den Aufwand für die Luftkonditionierung, wodurch der Energiebedarf in der Lackierkabine um bis zu 60% sinkt. 

Die Durchlauftrockner sind für komplexe Karosseriestrukturen und niedrige Abgastemperaturen ausgelegt. Die Abluftströme aller Trockner werden über die integrierte Nachverbrennung Ecopure TAR gereinigt, die über eine Wärmerückgewinnung verfügt. Danach wird die Abluft wieder zur Trocknerbeheizung genutzt. 

Der Einsatz des EcoDryScrubber mit Umluftführung senkt das Abluftvolumen der Lackierkabinen. Die dennoch entstehende Abluft wird mit einer Aufkonzentrierungsanlage des Typs Ecopure KPR gereinigt. Diese ist sehr kompakt ausgeführt, da die vorgeschaltete Trockenabscheidung die Abluft bereits stark konzentriert und effizient filtert. Durch die Kompaktbauweise sinken die Investitionskosten für das Abluftsystem um 60%. Der Energiebedarf für die Abluftreinigung reduziert sich durch die Kombination EcoDryScrubber / Ecopure KPR um 80%, die Lösemittelemissionen sinken gar um 90%.

Zum Eco+Paintshop-Konzept von Dürr gehört auch die exakte Abstimmung von Gebäude und Anlagentechnik. Ein Beispiel ist der Einsatz von Hochregallagertechnik anstelle von Flächenpuffern. Dadurch minimiert sich die bebaute Fläche und der Kunde hat wahlfreien Zugriff auf jede beliebige Karosse.  

Volkswagen Nutzfahrzeuge hat den Eco+Paintshop in Wrzesnia im zweiten Quartal 2014 bei Dürr in Auftrag gegeben. Die Produktion des Volkswagen Crafter Nachfolgers wird im Herbst 2016 in Polen beginnen.   

Modulare Anodensteuerung mit EcoDC MACS von Dürr

EcoDC MACS erzeugt ein mitfahrendes Spannungsprofil im KTL-Becken

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